Die Balgführung beim Akkordeonspiel

 

Der Balg beim Akkordeon könnte verglichen werden mit dem Bogen bei den Streichern. Die Begriffe „Ziehen“ und „Drücken“ haben eigentlich zur Folge, dass ein Akkordeonist bei der Balgbewegung falsche Muskeln einsetzt (Armmuskeln/Oberarmmuskeln.) Man sollte sich eher neutraler Worte bedienen, die nichts mit „Muskelarbeit“ zu tun haben. Beispiel: öffnen, schliessen, aufmachen, zumachen...

Wir unterscheiden beim Akkordeonspiel zwischen

a) Eigenschwingung und b) Klangschwingung

a) Eigenschwingung entsteht, wenn man den Balg nur führt, relativ passiv. Die Geschwindigkeit wird diktiert durch den minimalsten Luftverbrauch der Stimmzungen.

Die Eigenschwingung entspricht einer Dynamik von Piano in hohen und Mezzoforte in tiefen Lagen. Als Bewegungsrichtung kommt nur das „Öffnen“ des Balges in Frage.

Die Eigenschwingung ist also abhängig von Tonlage und Anzahl der Töne.

b) Klangschwingung entsteht durch aktive Balgführung.

Die Dynamik entspricht hier den Werten von Piano bis Fortissimo in hohen Lagen und Mezzoforte bis Fortissimo in tiefen Lagen. Die Bewegungsrichtungen sind das „Öffnen“ und das „Schliessen“ des Balges.

Der immerwährende Wechsel von passiver und aktiver Balgführung ist es, welcher erst Klangschönheit und Farbenreichtum mit dem Akkordeonton ermöglicht.

Die natürliche Balgbahn erfährt man am besten durch Eigenschwingung. (Cluster spielen, Balg selbständig öffnen lassen ® es entsteht die natürliche Balgbahn. Der Balg bewegt sich nach unten sowie nach hinten.)

Der Handrücken ist bei geschlossenem Balg nach aussen gedreht. Mit zunehmender Öffnung supiniert er nach unten. Das Handgelenk und die Finger müssen dabei spannungsfrei bleiben, da sie andere Aufgaben zu übernehmen haben.Das Handgelenk wird nur ganz selten aktiv betätigt, zum Beispiel bei bestimmten Balgtechniken, wie Springbalg oder bei bestimmten Akzentsetzungen. Es darf keine „Handgelenk-Balgführungen“ geben.

Das Öffnen des Balges entspricht in gewisser Weise dem Abstrich bei Streichinstrumenten. Mit zunehmender Balgöffnung wird eine Drehung des Oberarmes im Schultergelenk und einer gleichzeitigen Drehung des Unterarmes im Ellenbogengelenk (Supination) erreicht.

-> Sprünge in hohe Lagen gelingen bei Öffnen des Balges besser!

-> In tiefe Lagen springen funktioniert beim Schliessen des Balges besser!

Das Schliessen des Balges entspricht in gewisser Weise dem Aufstrich bei Streichinstrumenten. Mit abnehmender Balgöffnung wird die supinierte Haltung zur Pronation zurückgeführt.

Als Kraftquelle für jegliche Balgbewegungen dient der Rumpf.

Er besitzt die grossen und kräftigen Muskeln. Die Armmuskeln verhalten sich hauptsächlich reaktiv.

Es gibt eine absolut unterste Grösse der Balgspannung. Diese erfährt man durch Spielen des höchsten Tones mit dem 4’-Register auf Öffnen.

Das Schliessen des Balges erfordert für das gleiche dynamische Bild zusätzlich die Kraft, welche notwendig ist, das „Bassteilgewicht“ zu überwinden.

 

 

Quelle: Unterlagen von Yolanda Schibli Zimmermann, Musikerin, 8824 Schönenberg